Abhärtung durch Kältereize

Wenn ich meinen Freunden erzähle, dass ich mich jeden Morgen etwa 5 Minuten und manchmal länger eiskalt dusche, sehe ich staunende Blicke, höre ein „brrrr“, „wie kann man nur!“ oder „das soll gesund sein?“


Ständig kuschelig warme Räume oder ein bei jeder Fahrt aufgeheiztes Auto versetzt unser Immunsystem im Winter in einen „standby-modus“, welcher nachweislich unsere Abwehrkräfte schwächt. In der Naturheilkunde hat sich die Hydrotherapie mit kalten Güssen, Wechselduschen, Schneetreten oder kurzes Eintauchen in eiskaltes Wasser nach dem Saunagang schon lange bewährt.


Der allseits bekannte Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) kurierte seine Tuberkulose mit Bädern in der eiskalten Donau vollständig aus, indem er 3x pro Woche ein Tauchbad nahm.

Laut einer niederländischen Studie hatten jene Versuchspersonen, die nach einer warmen Dusche noch für mindestens 30 Sekunden kalt nachduschten, um 29% weniger Krankenstandstage als diejenigen, die nur warm duschten. Durch Verbesserung der Durchblutung strömen vermehrt Abwehrzellen in die Nasen- und Bronchialschleimhaut. T-Lymphozyten zeigen deutlich erhöhte Aktivität.


Eine extremere Variante ist das Kältetraining von Wim Hof, der durch zahlreiche Weltrekorde wie z.B. einen Marathon bei -15°C am Polarkreis, nur mit Shorts bekleidet, bekannt wurde. Der heute 60jährige Niederländer stellte sich und seine Methode des Kältetrainings zusammen mit einer speziellen Atemtechnik einer wissenschaftlichen Begutachtung. Folgende interessante Fakten wurden erhoben:


  • Es kommt zu einer vermehrten Bildung von braunen Fettzellen, die in Kältesituationen durch Oxidation von Fettsäuren innere Wärme erzeugen („Winterschlafprinzip“).

  • Die „Wim Hof Methode“ führt zu einem deutlichen Anstieg des Nebennierenmarkhormons Adrenalin, welches entzündungshemmende Wirkung aufweist. Weiters kommt es zur Aktivierung des parasympathischen Nervensystems. Dieses erzeugt einen entspannenden regenerativen Effekt mit gleichzeitiger Ausschüttung des antientzündlichen Zytokins Interleukin 10. Es wird vor allem von Monozyten und TH2-Zellen sezerniert.

  • NF-κB, ein wichtiger Transkriptionsfaktor, wird gehemmt und dadurch Entzündungen gestoppt.


Abhärtungsprogramm für „Beginner“

  1. In einem warmen Badezimmer zumindest nach mehreren Minuten warm duschen 30 Sekunden kalt duschen (linkes Bein von unten nach oben, rechtes Bein, linker Arm, rechter Arm, Brustbereich und Bauch, Schultern und Rücken) – nur im gesunden Zustand.

  2. Saunagänge mit kalten Kneippgüssen oder Wassertreten – auf Hitze sollte Kälte folgen.

  3. Täglich – sowohl bei Regen oder Schnee – mit gutem Schuhwerk und geschützt gegen kalte Winde und Nässe mindestens 20 – 30 Minuten spazieren gehen (auf Auto verzichten und vielleicht zu Fuß oder mit dem Rad in die Arbeit fahren).